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Die
Idee - HILFT (Hilfe Ist Leben Für Tausende)
e.V. |
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Liebe Freunde,
das Bedürfnis, anderen Menschen sinnvoll zu helfen bohrte schon sehr
lange vor den schrecklichen Ereignissen in rumänischen Kinderheimen
in mir. Bereits durch den legendären Aufruf des Schauspielers
Karlheinz Böhm, jeder Zuschauer der Sendung "Wetten, dass..." solle
für die Kinder in der Sahel-Zone – es starben damals rund 40.000
Kinder täglich! - wenigsten eine Deutsche Mark, sieben
Österreichische Schilling oder einen Schweizer Franken spenden, hat
mich innerlich aufgerüttelt. In einem Gespräch mit Karlheinz Böhm,
das meine Frau und ich nach einer Buchlesung seines Buches "Nagaya"
und einem bewegenden Vortrag in Frankfurt mit ihm führen konnten,
fiel ein Satz, der letztendlich mein Leben veränderte. Böhm sagte:
"Auch ein Einzelner kann sehr wirkungsvoll helfen, er muss es nur
richtig wollen!"
Ich gründete daraufhin eine Mainzer Initiative Menschen
für Menschen und initiierte kleine Veranstaltungen,
Informationsstände und sammelte einige Zeit für Böhms Afrikahilfe.
Durch Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe, trennte ich mich von
ihnen, kurze Zeit danach fiel die Gruppe auseinander.
In der Zeit danach war ich beruflich
stark in Anspruch genommen, doch ließ mich der Gedanke zu helfen
nicht in Ruhe.
1989/90 kam dann der persönliche, der innere Mauerfall, als ich nach
der Hinrichtung des rumänischen Diktator-Ehepaares Elena und Nicolae
Ceausescu und dem Fall des "Eisernen Vorgang" die Medienberichte
über die "Todesheime" von Cighid und Badacin in Rumänien im
Fernsehen und in Illustrierten sah. Halbverhungerte Kinder,
unbekleidet, saßen im eigenen Kot und "aßen" aus Blechnäpfen. Sie
krochen auf ihren verkrüppelten Beinchen und Armen wie Tiere im
Käfig und konnten nicht einmal ihre Muttersprache sprechen. Alles
das, weil sich niemand um sie kümmerte. Sie galten alle als
Behinderte, sehr viele zu Unrecht, doch gab es zu den Zeiten des
rumänischen Diktators Ceausescus offiziell in seinem Land keine
Behinderten, also wurden sie weggeschlossen und vergessen. Über so
viel Unmenschlichkeit an den kleinen Wesen, war ich entsetzt, ja
fassungslos. Ich kniete vor dem Bildschirm und starrte ungläubig auf
die schrecklichen Szenen, die mich an Szenen aus den Kinder-KZ’s in
Moringen, Uckermark und Litzmannstadt (Lodz) erinnerten. Mir liefen
die Tränen über das Gesicht und gleichzeitig kochte eine
unbeschreibliche Wut in mir hoch, die bis heute angehalten hat.
Eben diese Wut auf Menschen, die so
etwas zulassen konnten, allen voran die kaltblütigen Politiker, hat
mich dazu gebracht noch im Januar 1990 mich einer rumänischen
Familie anzuschließen, die gerade dabei war, einen
Hilfsgütertransport für ihre Heimatgemeinde Gheorghieni
zusammenzustellen. Meine Hilfe wurde dankbar angenommen und wir
konnten im Mai 1990 einen weiteren Transport nach Gheorghieni
bringen. Bei diesem Transport waren meine Frau und ich das erste Mal
mit dabei. Auch zum ersten Mal standen wir in einem todgeweihten
Altersheim, dessen Zustand ähnlich dem der genannten Kinderheime.
Die kranken Insassen saßen
bewegungslos zusammengekauert auf ihren alten verrosteten Betten, in
Lumpen gehüllt und alle ausnahmslos unterernährt. Es war wirklich
ein Anblick des Grauens. Die Matratzen und zerlumpten Bettbezüge
stanken nach Urin und Kot, überall lag Dreck und Abfall in den
Fluren, Zimmern, der Küche. Meine Frau rannte rückwärts aus dem
Gebäude, weil sie den Gestank nicht weiter ertragen konnte. Den
schlimmsten Anblick boten die Toiletten. Hier erspare ich mir
Einzelheiten. - Meine Frau und ich waren uns schnell einig: Wir
helfen weiter!
Von da an ging es Schlag auf Schlag.
Wir gründeten die Gruppe Mainz hilft und allein 1990
organisierten wir insgesamt fünf große Hilfstransporte. In
Zusammenarbeit mit der schweizerischen Organisation Basel
hilft wurden Heime und andere öffentliche Einrichtungen in
und um Gheorghieni renoviert und desinfiziert, mit neuen Möbeln und
frischer Bettwäsche ausgestattet, Krankenhäuser und
vertrauenswürdige Ärzte mit Medikamenten und medizinischen Geräten
versorgt, kinderreiche Familien mit Lebensmitteln und Kleidung. In
Kinder-, Alten- und Behindertenheimen wurden die Lebensmittelregale
der meist leeren Magazine gefüllt. Kurz: Mit unserer Hilfe wurde
neues Leben eingehaucht und die Menschen belohnten uns mit spontanem
Applaus, liebevollen Umarmungen, herzlichen Küssen, ehrlichen
Gebeten und vielen Tränen der Dankbarkeit. Diese zum Teil
herzzerreißenden Szenen werde ich nie mehr vergessen!
Meinen Beruf als Zahntechniker gab
ich in diesem Jahr auf und wurde so, nach langem Hin und Her, zum
ehrenamtlichen "Rumänienhelfer". Diesen Luxus habe ich meiner lieben
Frau zu verdanken die, ebenfalls als Zahntechnikerin, ab da
Alleinverdienerin war. An dieser Stelle möchte ich ihr von ganzem
Herzen danken, denn ohne sie hätte es die Rumänienhilfe nicht
gegeben und schon gar nicht hilft (Hilfe Ist Leben Für Tausende),
den kleinen eingetragenen Verein, den wir 1992 gründeten und aus dem
die heutige Organisation erwachsen ist.
Nach Ausbruch des Balkankrieges
trafen wir Ende 1992 mit Bad Kreuznacher Schülern zusammen und
fuhren zum ersten Mal nach Zagreb in ein Flüchtlingslager. Unsere
LKW waren beladen mit Kleidung, Lebensmitteln, Medikamenten,
Hygieneartikeln und Spielsachen. Wir alle, vor allem jedoch die
Schülerinnen und Schüler, waren von dem Erlebten so betroffen, dass
auf dieser ersten Fahrt die Organisation Schüler helfen Leben
gegründet wurde, die sich danach in kurzer Zeit sehr erfolgreich
verselbstständigte und inzwischen über Deutschland hinaus hilft.
hilft konnte seine Hilfe inzwischen ausweiten auf Kroatien,
Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Polen, Russland, Ukraine, Ungarn,
Türkei, Albanien ohne Rumänien zu vergessen.
Mit mehr als 120 Hilfstransporten
brachten wir Hilfsgüter im Wert von mehr als 1,5 Millionen DM direkt
zu bedürftigen Menschen. Heimrenovierungen, bauliche Erweiterungen
von öffentlichen Sozialeinrichtungen, Einrichten von Basaren,
Behindertenwerkstätten und Nähereien, Patenschaften, Alten-,
Kranken- und Behindertenhilfe gehören genauso zu den Aufgaben von
hilft wie Deutschunterricht in Rumänien, Studienhilfen und
prothetische Versorgung für behinderte Jugendliche in Deutschland
und Stipendienhilfen für Höchstbegabte aus Osteuropa.
So wurde seit 1990 das Leben einiger
Tausend Menschen lebenswerter gestaltet und einigen vielleicht sogar
das Leben gerettet. Darum ein großes Dankeschön an Karlheinz Böhm,
meine Frau Elke und all die vielen Helferinnen und Helfer im In- und
Ausland, die diese Hilfe ermöglichten. Nicht zuletzt an die vielen
Tausend Spenderinnen und Spender, ohne die wir nicht hätten helfen
können nach dem Motto: Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über
die Dunkelheit zu klagen!
Ihr und Euer Kurt Assmuss